Eine Reise nach Italien ist das ganze Jahr über eine ausgezeichnete Idee. Während Sie im Winter in den Gebirgen an Ihren Skifahrer-Fähigkeiten arbeiten und im Sommer die Sonne an den Stränden des Mittelmeers genießen können, eignen sich Frühling und Herbst ganz hervorragend für verschiedene Städtereisen. Neben Rom, Pisa, Venedig und Florenz gilt vor allem auch Verona als ein absoluter Pflicht-Punkt auf jeder Italien-Reiseliste. Lassen Sie sich in diesem Beitrag von mir in die wunderschöne Stadt der Liebenden entführen. Doch Vorsicht: Ich warne Sie hiermit offiziell vor akutem Fernweh als Nebenwirkung dieser Lektüre.


Eine facettenreiche Stadt im Norden Italiens

Verona – gerade einmal einen 30 km weiten Katzensprung vom Gardasee entfernt – liegt im Nordosten von Italien und ist allein aufgrund seiner geografischen Lage bei deutschen Reisenden äußerst beliebt. Denn nicht nur der Lago di Garda, der in den Sommermonaten zum Flanieren einlädt, liegt in der Nähe, auch die Lagunenstadt Venedig kann von hier aus (beispielsweise mit dem Zug) besucht werden. Doch selbst wenn Sie nicht beabsichtigen, die Stadtgrenzen Veronas hinter sich zu lassen, können Sie hier einen unvergesslichen Urlaub verbringen.

Verona ist mir rund 260.000 Einwohnern keine sonderlich große Stadt – ein Umstand, der Sie freuen wird, denn die Altstadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten, Lokalen und Museen kann bequem zu Fuß erkundigt werden.

Wenn man Verona mit einem einzigen Wort beschreiben müsste, dann wäre es aus meiner Sicht „facettenreich“. Denn auch wenn die Stadt absolut überschaubar ist, brilliert sie doch mit einer Fülle an architektonischer, kulinarischer, künstlerischer und geschichtlicher Vielfalt. Kurzum: Verona ist nicht nur die Stadt der Liebenden, sondern auch die Stadt all der Menschen, die sich auf Reisen gern überraschen lassen.

Verona Italien

© Zoltan Kovacs

Verona für Einsteiger: Diese Orte müssen Sie besichtigt haben

Wie in jeder Stadt gibt es auch in Verona selbstverständlich diese Orte, die man als Besucher schlichtweg gesehen haben muss. Was in Paris der Eiffelturm und in London der Big Ben ist, das sind in Verona…


Die Arena

Wo früher Gladiatoren um ihr Leben kämpften, werden heute in den Sommermonaten Opernfestspiele und Rockkonzerte veranstaltet. Kaum vorstellbar, doch das Amphitheater von Verona diente zur Zeit der alten Römer ganz anderen Unterhaltungsformaten als heutzutage. Die Arena hat zum Glück über die Jahrtausende zwar ihren Schrecken verloren, nicht aber ihre Faszination. Auch in der Jetztzeit ist sie ein imposantes Bauwerk (ihres Zeichens das drittgrößte Amphitheater Europas), das sowohl von außen als auch von innen bestaunt werden kann.

Doch auch abseits großer Konzerte und Opernvorstellungen lohnt sich ein Blick ins Innere des Bauwerkes. Hier können Sie nicht nur durch die unterirdischen Gänge wandeln, durch die einst die Gladiatoren die Arena betraten, sondern auch ganz hoch hinaus und den Blick über Verona genießen. Mein Tipp für Sie: Warten Sie, bis der Abend anbricht. Dann sind nicht nur die Warteschlangen vor dem Amphitheater von Verona verschwunden, Sie können auch eine einzigartige Lichtstimmung und den anschließenden Sonnenuntergang auf sich wirken lassen.

Die Piazza Brà

Wenn Sie vor der Arena stehen, dann befinden Sie sich automatisch auf einer weiteren Sehenswürdigkeit von Verona: Der Piazza Brà.

Der Hauptplatz der Stadt wird gesäumt von unzähligen Cafés, Restaurants und Geschäften und lädt zu jeder Tageszeit zum Verweilen ein. Vergessen Sie während Sie Kaffee schlürfen und Menschen beobachten jedoch nicht, die typisch veroneser Bauweise rund um den Platz zu bestaunen. Hier finden Sie nicht nur das Rathaus von Verona, sondern auch den Palazzo Barbieri und zahlreiche italienische Bürgerhäuser, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert erbaut wurden.

 

Das Haus der Julia

La casa di Giulietta, zu Deutsch: das Haus der Julia, ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Verona – und zugleich ein riesiger Touristen-Gag. Doch von Anfang an:

Wie jeder halbwegs literarisch interessierte Besucher Veronas weiß, ist die Stadt der Schauplatz von William Shakespeares berühmtem Drama „Romeo und Julia“ - ein Umstand, der auch unter größter Anstrengung nicht ignoriert werden kann. Egal, wo Sie sich aufhalten: Der nächste Souvenirstand mit „Romeo e Giulietta“-Andenken ist nie weit.

Doch sie alle sind harmlos im Gegensatz zum Haus der Julia – einem hübschen Haus aus dem 13. Jahrhundert in der Via Cappello. Hier, genauer gesagt im Innenhof, können Sie einen Blick auf den wohl berühmtesten Balkon der Literatur-Geschichte werfen – so jedenfalls lautet die allgemeine Annahme.

Die Wahrheit ist nämlich, dass Romeo und Julia fiktive Charaktere sind und sich die berühmte Balkon-Szene („Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche“) nie an diesem Ort ereignet hat. Mehr sogar noch: Shakespeare selbst ist nie in Verona gewesen und der Balkon, der für 6 Euro Eintritt betreten werden kann, wurde nachträglich an das Haus gebaut.

Klingt alles ganz und gar nicht romantisch? Nun, die Besucher der casa di Giulietta stören die harten Fakten nicht. Sie pilgern trotzdem zum Innenhof, stecken kleine Liebesbotschaften und Nachrichten an Julia in die Mauer und versuchen, die rechte Brust der Bronzestatue zu berühren. Das soll schließlich Glück in Liebesangelegenheiten bringen.

 

Das Castel San Pietro

Die ehemalige Festungsanlage von San Pietro ist schon von unten betrachtet ein echter Hingucker. Hier treffen dicke Mauern auf filigrane Zypressen und vereinen sich zu einem Ensemble, das italienischer nicht sein könnte.

Wenn Sie sich am Anblick des fotogenen Hügels sattgesehen haben, sollten Sie jedoch keinesfalls zurück ins Zentrum der Stadt laufen, sondern einen Aufstieg hoch zum Castel wagen. Die Treppen sind steil, doch wenn Sie erst einmal oben angekommen sind, wird Sie der sagenhafte Blick über die mittelalterlich geprägte Altstadt von Verona für alle Strapazen entschädigen.

Mein Tipp für Sie: Falls Sie keine Treppen steigen wollen oder können, steht alternativ auch eine Seilbahn bereit, die Sie nach oben auf den Hügel San Pietro bringt. Die Talstation befindet sich in der Nähe des Teatro Romano. Für zwei Euro (Stand: Oktober 2018) werden Sie hoch und auch wieder heruntergebracht.

 

 

Der Dom Santa Maria

In Verona gibt es – wie in nahezu jeder italienischen Stadt – dutzende Kirchen zu bestaunen. Die meisten davon liegen entlang der Etsch, dem Fluss, der durch Verona fließt, und können im Rahmen eines entspannten Spaziergangs besichtigt werden.

Das sakrale Highlight der Stadt ist jedoch der Dom Santa Maria auf der Piazza Duomo. Die Kirche, die aus insgesamt drei Schiffen besteht und unzählige Kapellen beherbergt, weist sowohl romanische als auch gotische Bauelemente auf und ist damit eine architektonische Besonderheit. Der Stilmix verdeutlicht außerdem, wie lang es gedauert haben muss, den Dom Santa Maria in seiner heutigen Form zu errichten.

 

Die Piazza delle Erbe

Wenn Sie das geschäftige Markttreiben Veronas erleben wollen, dann sollte Sie Ihr Streifzug durch die Stadt unbedingt auch zur Piazza delle Erbe führen. Der Marktplatz von Verona ist zwar durchaus überschaubar, deswegen aber kein bisschen weniger sehenswert.

Hier finden Sie nicht nur einen kunterbunten Wochenmarkt, sondern auch viele weitere Details, die entdeckt werden wollen. Ein Blick auf die umstehenden Häuser offenbart beispielsweise fantasievolle Malereien, üppig bepflanze Balkone und… ach, am besten Sie machen sich einfach selbst ein Bild von diesem Platz!

 

Verona Italien

© Zoltan Kovacs

Veronas Brücken – Sehenswürdigkeiten für sich

Es ist nicht überraschend, dass es in Verona, einer Stadt am Fluss Etsch, zahlreiche Brücken gibt. Bemerkenswert ist viel eher, wie wunderschön diese Bauwerke sind.
Wenn Sie Verona besuchen und eine Brücke überqueren, sollten Sie unbedingt kurz innehalten und die Baukunst auf sich wirken lassen. Veronas Brücken sind ähnlich faszinierend wie die Stadt selbst und können deswegen getrost als Sehenswürdigkeit bezeichnet werden.


Besonders schön (und bekannt) sind diese Wege über die Etsch:

  • Ponte Pietra: die Brücke, die unter Touristen am bekanntesten ist
  • Ponte Scaligero: mein persönlicher Favorit, der mit seinen Zinnen an eine mittelalterliche Burg erinnert
  • Ponte San Pietro: von hier aus gelangen Sie direkt zum Hügel von San Pietro

Kulinarischer Genuss auf Italienisch

Natürlich wird ein Verona-Trip erst dann richtig rund, wenn Sie sich auch den kulinarischen Reizen dieser Stadt öffnen. Wie Genuss auf Italienisch funktioniert, möchte ich Ihnen gern anhand dieser (inoffiziellen) „Tisch-Regeln“ erklären:


Eine Reise nach Italien ohne Pizza, Pasta und Rotwein? Absolut unvorstellbar!

  • Rotwein darf in Italien gern schon am Vormittag getrunken werden. Spätestens zum leichten Mittagsimbiss ist ein Glas vino rosso fast schon unumgänglich.
  • Pasta ist in Italien in der Regel eine Vorspeise, bedenken Sie also, dass die Portionen in authentischen Restaurants entsprechend klein sind.
  • Imbiss-Buden und Pizza-to-go-Stände haben nichts mit la dolce vita zu tun, sondern sind nur auf Touristen ausgelegt.
  • Italiener essen selten von 20 Uhr zu Abend, Restaurants öffnen deswegen oftmals erst wieder ab 19 Uhr.
  • Wer nicht immer nur Pizza und Pasta essen will, hält Ausschau nach einer Osteria (hier werden vorrangig Wein und kleine Speisen serviert) oder einer Trattoria (unterscheidet sich durch die familiäre Atmosphäre von klassischen Restaurants).
  • Genuss ist ein zentraler Bestandteil der italienischen Tischkultur. Bringen Sie dementsprechend genügend Zeit mit.

Geheimtipps: Entdecken Sie das wahre Verona

Verona ist eine dieser Städte, die das ganze Jahr über von Touristen besucht wird. Dementsprechend werden Sie es hier schwer haben, die schönen Ecken ganz für sich allein zu haben.


Wenn Sie trotzdem das echte und authentische Verona erleben wollen, dann lege ich Ihnen diesen Tipp ans Herz: Begeben Sie sich auf eine Entdeckungstour fernab der Kirchen, Paläste und Brücken und streifen Sie (bestenfalls ohne festes Ziel) durch die Gassen der Stadt. Hier gibt es überall romantische Hinterhöfe, bunte Hausfassaden und traditionelle Lokale, die das Herz eines jeden Italien-Fans höherschlagen lassen.

Und keine Angst: Es ist extrem schwer, sich in Veronas Altstadt zu verlaufen. Meist dauert es nur wenige Minuten, bis Sie wieder an einem Punkt sind, der Ihnen bekannt vorkommt.

Wenn Sie auf Ihrem Streifzug durch die Stadt nichts dem Zufall überlassen und ein paar echte Geheimtipps in Verona entdecken wollen, dann kann ich Ihnen diese Orte ans Herz legen:

  • Der Giardino Giusti ist ein Garten aus der italienischen Renaissance-Zeit und unbeschreiblich schön. Er liegt außerhalb des Stadtkerns im Osten Veronas, kann aber mühelos zu Fuß erreicht werden.
  • In der Trattoria dal Ropeton können Sie traditionelle italienische Küche genießen und sich noch einmal völlig neu in diese verlieben.
  • Die Sant’Anastasia ist die größte Kirche von Verona, die von innen wie von außen absolut sehenswert ist.
Verona Italien

© Zoltan Kovacs

Und noch ein ganz allgemeiner Tipp: Viele Orte Veronas entfalten ihre Magie erst vollständig in den Abendstunden. Wenn das Licht weicher wird und die Temperaturen spürbar sinken, legt sich eine Atmosphäre über die Stadt, die mit Worten nur sehr schwer beschrieben werden kann. Egal ob auf dem Castel San Pietro, an der Ponte Pietra oder auf den obersten Rängen der Arena von Verona – wenige Minuten, bevor die Sonne untergeht, können Sie den Zauber dieser Stadt am besten spüren. Verbringen Sie diese Zeit also auf gar keinem Fall in Ihrem Hotelzimmer.

Ich wünsche Ihnen eine gute Reise nach Berlin!

Ein Reisebericht von Jessika Fichtel