Mit Reise Nach… zu den Military Tattoo’s nach Edinburgh

von Claudia Stülzebach – Reiseleiterin & Begleiterin

 

Kennen Sie Edinburgh?

Obwohl oder weil ich Edinburgh schon kannte, wollte ich die Schottische Hauptstadt – mit ihrer mittelalterlichen Altstadt, dem Edinburgh Castle welches hoheitlich über der Stadt thront und den verwunschenen Gassen – unbedingt noch einmal besuchen. Vor allem aber, wollte ich einmal das Military Tattoo sehen!

Verrücktes treiben in der Stadt

© Tourismusservice Claudia Stülzebach

Wenn man die Altstadt von Edinburgh zu Fuß erkundet, glaubt man jeden Moment in der magischen Winkelgasse zu landen. Der Straße, aus der berühmten Romanreihe von J.K. Rowling – wo seinerzeit der Zauberschüler Harry Potter seinen ersten Zauberstab und allerlei magisches Handwerkszeug erworben hatte. Wen wunderts, dass J.K. Rowling in dieser Stadt ihre Inspirationen zu den Harry Potter Bänden bekam, das erste Buch im Café Spoon geschrieben hat, es im Elephant House weiterführte und im Balmoral Hotel beendete.

Welch ein Glück also, dass sich im August 2017 für mich die Möglichkeit ergab, eine Reisegruppe zu den Royal Edinburgh Military Tattoos zu begleiten. Dass unser Ziel für nahezu jedes Alter lohnenswert ist, bewiesen die 29 Teilnehmer. Von 19 bis 91(!) Jahre, waren alle Altersgruppen vertreten.

In aller Frühe starteten wir unsere Fahrt im modernen Reisebus. Die erste Etappe führte uns zur Fähre nach Amsterdam. Es war eine fröhliche Fahrt. Unser Busfahrer hatte für eine breit gefächerte Getränkeauswahl gesorgt. Natürlich gab es gegen Mittag auch die berühmten „Busforellen“ (Wiener Würstchen mit Brot).

In Amsterdam angekommen, waren wir vom zügigen und reibungslosen Check-In begeistert. Direkt vor dem Gebäude zur Fähre gibt es Kurzzeitparkmöglichkeiten für Busse. Gleich im Terminal wiesen Schilder auf kostenloses W-Lan Netz mit dem entsprechenden Code hin. Zum Check-In und beim Boarding musste der Personalausweis bzw. der Reisepass vorgezeigt werden.

Hier ein nützlicher Hinweis:

Es ist sehr ratsam, für die Übernachtung auf der Fähre ein kleines Handgepäck parat zu haben.

Den ganzen Reisekoffer mit auf die Fähre zu schleppen ist sehr anstrengend und hinderlich. Bis zu den oberen Stockwerken auf der Fähre müssen mehrere, enge Treppen bewältigt werden und bei 1.400 Passagieren sind die Fahrstühle praktisch dauerbelegt. Dazu kommt, dass es in den Kabinen auf der „Prinzess Seaways“ wirklich sehr eng ist. Die Stockbetten sind für mobilitätseingeschränkte Menschen nicht zu empfehlen, da das obere Bett nur über eine sehr steile Leiter zu erreichen ist. 30 Euro Zuschlag sind für eine Außenkabine also gut angelegtes Geld 😉

Ansonsten ließ die Ausstattung der Fähre, im Vergleich zu einem Kreuzfahrtschiff, kaum Wünsche offen. Auf unterschiedlichen Decks gab es verschiedene Restaurants und Bars, teilweise mit Live Musik und Unterhaltung. Auch eine Kinderecke und natürlich einen Duty-free-Shop durften nicht fehlen. Alles war sauber, das Bordpersonal sehr freundlich und die Ansagen durch die Lautsprecher erfolgten in Englisch, Niederländisch und Deutsch. Abendessen und Frühstück gab es für unsere Gruppe in Buffetform. Dabei waren die Speisen sehr vielfältig, reichhaltig und schön angerichtet.

Fähre nach England

© Tourismusservice Claudia Stülzebach

Am nächsten Morgen gab es etwas Gedränge auf den Fluren. 1.400 Passagiere standen mit ihrem Gepäck auf Gängen und Fluren und warteten aufs Anlegen. Das eigentliche Auschecken verlief geordnet und zügig. Am Ausgang warteten wir ca. 30 Min. auf unseren Bus und dann ging es weiter, von Newcastle in die Glenkinchie Distillery nahe Edinburgh.

Hier bekamen wir eine freundliche und interessante Führung. Unsere Gruppe wurde geteilt. Da es nur einen deutschsprachigen Mitarbeiter gab, durfte die zweite Gruppe die Führung in Englisch erleben und so ihr fast vergessenes Schulenglisch wieder ein wenig auffrischen. Es wurde alles gut und verständlich erklärt. Am Ende nach der Verkostung bekamen wir Gelegenheiten zum Einkaufen und jeder hat noch ein Whiskyglas geschenkt bekommen. Weiter ging es Richtung Edinburgh.

Unser Hotel lag ca. vier Meilen von der Altstadt entfernt, direkt neben dem Zoo. Wie in fast allen größeren Hotels in Großbritannien, gab es im Rezeptionsbereich einen Geldautomaten. Beruhigend für alle Gäste, die noch keine britischen oder Schottischen Pfund im Geldbeutel hatten. Die Mitarbeiter im ganzen Haus waren sehr freundlich. Es wurde ausschließlich englisch gesprochen.

Edinburgh Military Tattoo

Nachdem wir uns kurz ausgeruht und frisch gemacht hatten, ging es am Abend los ins Getümmel – zu den Tattoos in die Altstadt von Edinburgh. So habe ich die Stadt noch nie erlebt! Ich sage nur – Ausnahmezustand! Gleichzeitig mit den Tattoos auf dem Edinburgh Castle, findet ein Musikfestival in der Innenstadt statt. Die ganze Atmosphäre kam uns vor, wie ein riesiger Junggesellenabschied. Lauter verrückte Gestalten, in noch verrückteren Kostümen, fröhliche und vor allem drängende Menschenmassen wohin das Auge schaut. Da es an diesem Abend zwei Tattoo Veranstaltungen gab, mussten alle 8000 Zuschauer aus ein und demselben Burgtor heraus, gleichzeitig wollten auch 8000 Menschen hinein! Der Besucherstrom wurde so geleitet, dass die Ankommenden die Herauskommenden durchqueren mussten. Wir wurden durch die Ordnungskräfte in einem Bogen halb um die Burg herumgeführt, um dann im Gänsemarsch wieder zurück zum Eingang zu gehen. Trotz des Gedränges hat (auch dank der außerordentlichen Disziplin unserer Gruppe und den super freundlichen Ordnungs- und Sicherheitskräften vor Ort) alles reibungslos funktioniert. Am Eingang zur Burg gab es Taschenkontrollen. Das Mitführen von gefährlichen Gegenständen ist selbstverständlich untersagt. Dazu zählen auch Stockschirme! Da man in Schottland bekannterweise alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann sollte man darauf gefasst sein, dass es bei einer Außenveranstaltung auch ab und an nass und kühl sein kann. Wir hatten mit einfachen Müllsäcken vorgesorgt. Man bekommt sie platzsparend in der Handtasche unter und sie gehen auch problemlos durch die Sicherheitskontrollen. Um die Beine gewickelt wärmen sie ideal und im Notfall kann man sie schnell zu Regencapes umfunktionieren. Außerdem gab es, bevor es hoch auf die Ränge ging, für ein Britisches Pfund ein rotes Sitzkissen zum Ausleihen. Das machte sich als wärmende, weiche und feuchtigkeitsresistente Unterlage ebenfalls ganz gut.

Wir haben einen phantastischen Abend mit einem spektakulären und bunten Programm erlebt. Die Musik- und Tanzdarbietungen, Laser-Shows sowie die bunte Vielfalt der Uniformen und Kostüme werden uns unauslöschlich im Gedächtnis bleiben. Für manch einen von uns ging ein Lebenstraum in Erfüllung – was für ein Abend!

Am nächsten Tag stand eine Stadtrundfahrt/Führung auf dem Plan. Mit dem Bus ging es zuerst wieder hinein ins Stadtgetümmel. Dort hat uns unser Guide Johanna schon erwartet. Sie führte uns zum Aussichtspunkt Calton Hill. Von dort oben hat man einen spektakulären Panoramablick über die Altstadt von Edinburgh und Johanna konnte uns vieles sehr anschaulich erläutern. Danach ging es mit dem Bus weiter durch die Stadt. Ein kurzer Fotostopp am Holyrood Palace inklusive. Die Rundfahrt endete am Edinburgh Castle. Hier bekamen wir unsere Eintrittskarten und hatten zwei Stunden Zeit für eine eigene Entdeckungstour. Den Rückweg zum Bustreffpunkt nutzten wir für den ein- oder anderen Souvenireinkauf.

Abends hatten wir die Möglichkeit, in einem lokalen schottischen Pup zu Abend zu essen. Einige mutige unter uns probierten, zusätzlich zum gebuchten Touristenmenü, original schottischen Haggis. Haggis ist ein schottisches Nationalgericht. Es besteht aus Schafsinnereien – auch paunch genannt – die unter Zusatz von Zwiebeln und Hafermehl in den Magen eines Schafes, gefüllt werden. Der Magen samt Inhalt wird gekocht und mit Kartoffel- und Rübenstampf serviert. Je nach Rezept, kann das Ganze noch einmal in Scheiben geschnitten und extra gebraten werden. Glauben Sie mir, es war ein lustiger Abend!

Am nächsten Tag hieß es schon wieder Abschied nehmen von Edinburgh. Auf der Rückfahrt zur Fähre nach Newcastle machten wir einen Zwischenstopp von ca. einer Stunde in Gretna Green. Auf der alten Postkutschenroute, von London nach Edinburgh, war dies der erste Ort Schottland. Heute gibt es hier ein Outlet für schottische Andenken und Mitbringsel jeglicher Art. Für unsere Gruppe Gelegenheit, sich sozusagen auch vom letzten Britischen Pfund wieder zu trennen.

 

Gretna Green

© Tourismusservice Claudia Stülzebach

Der Check-In auf die Fähre verlief wieder problemlos. Nun kannten wir uns ja schon aus. Gemeinsam trafen wir uns zum Abendessen im Restaurant. Danach steuerte jeder sein „Lieblingsrestaurant“ an. Einige ließen den Tag in der Bar ausklingen, um die Reise noch einmal gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Da die Rückfahrt auf der Fähre nach Amsterdam zwei Stunden länger dauerte als vorgesehen, mussten die zwei Stunden Freizeit in Amsterdam leider gestrichen werden. Das war aber nicht so schlimm. Wir waren voll von schönen Eindrücken und Erlebnissen. Am Ende verabschiedeten wir uns voneinander und einige aus der Gruppe (auch ich) haben sich gleich für das nächste Jahr wieder angemeldet. Was für eine schöne und erlebnisreiche Reise – Erfahrung!

Claudia Stülzebach, Reiseleiterin und Begleiterin.
cs-tourismus.de