Hansestadt, Venedig des Nordens, Tor zur Welt oder schlichtweg „Meine Perle“– es gibt viele Synonyme für Hamburg, die es jedoch immer nur im Ansatz schaffen, die Stadt zu porträtieren. Wer die kühle Schönheit hoch oben im Norden der Republik schon einmal besucht hat, der weiß: Hamburg ist vieles, aber ganz sicher nicht einfach zu beschreiben. Ich möchte es trotzdem gern versuchen und nehme Sie mit auf eine Reise; in eine Stadt der Gegensätze, in der Tradition und Moderne aufeinander treffen und sich zu einer unverwechselbaren Atmosphäre vereinen.

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Top 5 Sehenswürdigkeiten in Hamburg

Fangen wir mit ein paar waschechten Hamburg-Klassikern an, die einfach jeder Besucher der Stadt gesehen haben muss. Ich verrate Ihnen gern meine Top 5 der Sehenswürdigkeiten, die alle bequem an einem Wochenende entdeckt werden können.


Die Landungsbrücken

Wenn Sie Hamburg in seiner reinsten Form genießen wollen, dann manchen Sie sich am besten gleich auf den Weg zu den Landungsbrücken. Diese gelten nicht nur als zweitwichtigstes touristisches Ziel Deutschlands (nach dem Brandenburger Tor), sondern sind auch der ideale Startpunkt für verschiedene Entdeckungstouren – beispielsweise eine Hafenrundfahrt per Barkasse oder einen Abstecher zur Elbphilharmonie.

Ebenfalls ziemlich empfehlenswert ist ein Spaziergang zum alten Elbtunnel, der hinüber auf die andere Seite des Flusses führt. Freuen Sie sich auf einen tollen Blick hinüber zur Hamburger City und vergessen Sie nicht, sich vorher ein frisches Fischbrötchen an der Promenade der Landungsbrücken mitzunehmen.

Und auch wenn Ihnen nicht der Sinn nach einem Spaziergang steht, sind Sie an den Landungsbrücken genau richtig. Immerhin ist hier am Wasserbahnhof nahezu immer etwas los – ein Umstand, der Ihnen nicht nur als Fan der Schifffahrt ein Staunen ins Gesicht zaubern wird.

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Die Speicherstadt

Sie ist DAS Hamburger Fotomotiv schlechthin! Die historische Speicherstadt bringt jedoch bei weitem nicht nur (Hobby-)Fotografen ins Schwärmen. Das imposante Backsteinensemble ist schlichtweg von so überwältigender (und schlichter) Schönheit, dass man als Betrachter kaum eine andere Wahl hat: Man muss es stillschweigend auf sich wirken lassen und neidlos eingestehen, dass dieser Ort ein ganz besonderer ist.

Das dachte sich auch die UNESCO und hat die Speicherstadt, ihres Zeichens der weltgrößte Lagerraumkomplex, zum Weltkulturerbe ernannt.

Spannend ist im Bezug auf diese Sehenswürdigkeit auch die Entstehung der Hafencity, eines neuen Stadtteils im Hamburger Herzen, der schon jetzt als das absolute Szeneviertel gilt. Eine spannende Randnotiz: Erst nachdem die Speicherstadt aus dem Freihafengebiet genommen wurde und somit zollrechtlich erstmals als deutsches Inland galt, war es möglich, mit der Entwicklung des neuen Stadtteils zu beginnen.

Wenn Sie in der Speicherstadt unterwegs sind, können Sie übrigens nicht nur tolle Fotos machen, sondern auch zahlreiche Museen besuchen. Die neugotischen Backsteingebäude beherbergen heute beispielsweise das internationale maritime Museum, das Speicherstadtmuseum und das Gewürzmuseum.

Gruselfans kommen außerdem im berühmt-berüchtigten Hamburg Dungeon auf ihre Kosten – doch Vorsicht, diese Attraktion ist nichts für schwache Nerven. Wenn Sie es lieber unaufgeregt mögen, dann empfehle ich Ihnen das Miniatur-Wunderland und den „Dialog im Dunkeln“, eine spannende Ausstellung, die Sie in die Welt der Sehbehinderten entführt.

Der „Michel“

Die Michaeliskirche, von den Hamburgern liebevoll Michel genannt, ist nur einen Steinwurf von den Landungsbrücken und der Speicherstadt entfernt und lässt sich daher perfekt in eine kleine Erkundungstour integrieren.

Nach einer Besichtigung des prächtigen Barockbaus (inklusive der fünf Orgeln und des Gewölbekellers) geht es bestenfalls hoch hinaus. Der Kirchturm vom Michel ist ein idealer Aussichtspunkt, von dem aus Sie ganz Hamburg überblicken können.

Manche Menschen (Hamburger inbegriffen) lassen sich sogar zu dem Urteil hinreißen, dass Sie vom Michel aus – geschuldet der direkten Nähe zu Elbe und Hafen – den schönsten Blick über die Stadt haben. Diese Aussage kann ich nur bestätigen.

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Die Reeperbahn

Gibt es etwas, was noch nicht über die Reeperbahn gesagt oder geschrieben wurde? Wohl kaum.

Wer Hamburg von seiner frivolen Seite kennenlernen will, der macht sich mit Einbruch der Nacht auf in Richtung Sankt Pauli. Der wohl berühmteste (oder eher berühmt-berüchtigtste) Stadtteil Hamburgs ist vor allem für sein Vergnügungs- und Rotlichtviertel bekannt und – ob man es sich eingestehen will oder nicht – ein Muss auf jedem Hamburg-Städtetrip.

Das wird umso deutlicher, wenn Sie sich vor Augen führen, dass auf Sankt Pauli gerade einiges passiert und man davon ausgehen kann, dass sich das Viertel rund um die Reeperbahn in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vermutlich stark verändern wird.

Wer also den urige und verruchten Charme von Herbertstraße und Co. noch einmal hautnah erleben möchte, der sollte sich diese Hamburger Sehenswürdigkeit auf keinen Fall entgehen lassen. Und keine Angst, der Ton auf der Reeperbahn ist vielleicht ein bisschen rauer, als es die meisten von uns gewohnt sind, doch im Grunde genommen hat man hier rein gar nichts zu befürchten – außer man möchte es...

Die Fischauktionshalle

Ein Besuch auf dem Hamburger Fischmarkt ist für viele Touristen der krönende Abschluss ihres Besuchs in der Hansestadt. Und in der Tat sind sich viele (selbsternannte) Experten einig: Einmal im Leben muss man den schier unvorstellbaren Trubel in der Fischauktionshalle direkt an der Elbe miterlebt haben.

Seien Sie an dieser Stelle jedoch gewarnt: Der Fischmarkt von Hamburg ist nichts für Zartbesaitete. Die Händler, die hier längst nicht mehr nur Fisch, sondern unter anderem auch Obst, Gemüse und Grünpflanzen zu großartigen Preisen anbieten, halten sich selten an höflichen Floskeln auf und sind nie um einen derben Spruch verlegen. Schlagfertige Antworten sind hier Trumpf.

Und auch Morgenmuffel werden nur bedingt ihre Freude an dieser Sehenswürdigkeit haben. Von April bis Oktober öffnet die Fischauktionshalle schon früh um fünf ihre Tore. Eingeweihte wissen: Wer die besten Geschäfte machen will, muss um diese Uhrzeit schon da sein. Wenn Sie erst um acht oder später ankommen, haben sie nicht nur die gute Ware, sondern auch die ganz spezielle Atmosphäre vom Hamburger Fischmarkt verpasst.

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Warum man Hamburg einfach lieben muss

Hamburg ist eine dieser Städte, die man sich unbedingt einmal anschauen muss. Doch warum genau ist das eigentlich so? Und warum muss man Hamburg einfach lieben? Bei einem Streifzug durch die Stadt fallen mir immer wieder drei Aspekte auf, die durchaus die Antworten auf diese beiden Fragen sein könnten.


Hamburg und sein Wasser

Wer sich in Hamburg irgendwo ans Wasser setzen will, hat es nie weit. Die Stadt wird durchzogen vom großen Elbstrom, der Alster und zahllosen Nebenarmen, die ihr zurecht den Spitznamen „Venedig des Nordens“ verliehen haben.

Ein besonders beliebtes Ausflugsziel ist die Außenalster. Diese kann auf einem 7,5 km langen Weg einmal komplett umrundet werden. Zur Belohnung bietet der Spaziergang zahlreiche Facetten Hamburgs wie zum Beispiel strahlend weiße Segelboote, das altehrwürdige Hotel Atlantic, in dem seit Jahren Rocklegende Udo Lindenberg wohnt oder auch die wunderschöne Imam-Ali-Moschee.

Wie Sie merken, ist die Außenalster nicht nur ein Ort der Erholung und Entspannung, sondern auch einer der Abwechslung und Überraschungen.

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Hamburg und seine Einkaufsmöglichkeiten

Der Jungfernstieg ist die unumstrittene Topadresse für alle, die in Hamburg ihren Kleiderschrank neu bestücken wollen. Keine Frage: Die norddeutsche Metropole ist ein Mekka für Mode-Begeisterte und alle, die es noch werden wollen. Doch auch ohne Kaufabsichten ist der Jungfernstieg einen Abstecher wert – immerhin gelten die direkt an der Binnenalster gelegene Prunkstraße und ihre Nebenarme als eine der schönsten Einkaufspassagen Deutschlands.

Aber nicht nur hier, sondern auch in allen anderen Stadtteilen von Hamburg gibt es Geschäfte, die Ihr Shopping-Herz höher schlagen lassen werden. Wenn Sie gern abseits der bekannten Mode-Ketten einkaufen wollen, sollten Sie unbedingt Ausschau nach sogenannten Concept Stores – kleinen kunterbunten Geschäften mit einem meist breiten Sortiment – halten. Diese sind in ganz Hamburg zu finden und sorgen zusammen mit inhabergeführten Boutiquen für die nötige Abwechslung und individuelle Shoppingerfolge.

Hamburg und seine kulinarischen Highlights

Wenn Sie zu Besuch in Hamburg sind, dann müssen Sie natürlich frischen Fisch essen – das ist doch klar. Doch neben den maritimen Köstlichkeiten hat die Hansestadt auch noch jeden Menge andere kulinarische Highlights zu bieten.

Im Portugiesenviertel können sie beispielsweise nicht nur direkt zwischen Landungsbrücken und Hafencity übernachten, sondern auch südländische Spezialitäten genießen. Wer die moderne Küche mag und zudem auch noch Spaß an technischen Spielereien hat, der sollte unbedingt dem Burgerlich am Speersort 1 einen Besuch abstatten. Hier bestellen Sie Ihre Speisen- und Getränkewünsche nicht beim Kellner, sondern am Tablet, das wie von Geisterhand aus dem Tisch fährt.

Ob die Currywurst ein Hamburger Original ist, darüber streiten sich die Hanseaten übrigens noch heute mit den Berlinern. Fakt ist: In Hamburg können Sie diesen Fastfood-Klassiker an jeder zweiten Ecke genießen. Dazu ein Alsterwasser (sprich: ein Bier gemixt mit Limonade) oder ein Astra und zum Nachtisch ein Franzbrötchen und fertig ist das nordische Menü.

Noch mehr „kulinarisches Hamburg“ ist eigentlich nur in der Oberhafen-Kantine, Stockmeyerstraße 39 möglich. Dieses Relikt längst vergangener Seefahrtstage lockt heute die Touristen mit authentischen Speisen und einer ganz speziellen Außenansicht. (Nein, Sie hatten kein Astra zu viel. Das Haus ist aufgrund von Sturmfluten und Unterspülungen tatsächlich in Schräglage geraten.)

Wie kultig die Oberhafen-Kantine ist, wird spätestens dann deutlich, wenn Sie sich vor Augen führen, dass das Bauwerk 2009 vom Künstler Thorsten Passfeld im Maßstab 1:1 nachgebaut wurde – und zwar so, dass es transportabel ist und von Stadt zu Stadt „reisen“ kann. Seit geraumer Zeit macht die Replika Halt in Berlin.

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Dass Hamburg eine Perle ist, ist unumstritten.

Diese Stadt bietet ihren Besuchern tausende Facetten und zehntausende Möglichkeiten, diese kennenzulernen. Überlegen Sie sich also am besten schon einmal, an welchem Wochenende Sie die Reise in den Norden antreten können – und denken Sie immer daran: Es heißt Moin! Moin Moin ist schon Gesabbel.

Ein Reisebericht von Jessika Fichtel