Dass Berlin jede Menge zu bieten hat, war noch nie ein Geheimnis. Doch was sind denn nun eigentlich diese kleinen, feinen Highlights abseits der großen Touristenattraktionen, die wahrscheinlich jeder von uns schon mindestens einmal besichtigt hat? Was muss man unbedingt gesehen haben nach Brandenburger Tor, Fernsehturm und Reichstag? Ich möchte Sie gern auf einen Berlin-Streifzug mitnehmen, der den Blick bewusst auf die weniger bekannten Ecken und Plätze lenkt, der Ihnen Geheimtipps verrät und definitiv Lust auf einen Besuch in der Hauptstadt macht – auch wenn Sie denken, hier bereits alles gesehen zu haben.


Berliner Bezirke: Was Sie wo erwarten wird

3,5 Millionen Einwohner, 892 km² – das entspricht der Fläche von München, Frankfurt am Main und Stuttgart zusammen! – zwölf Bezirke und unzählige Kieze; Berlin ist schlichtweg riesig.

Dieser Umstand sorgt immer wieder dafür, dass Besucher zunächst einmal überfordert sind, wenn sie in die Stadt kommen. Denn während die klassischen Sehenswürdigkeiten meist noch relativ schnell und einfach lokalisiert werden können, bleiben die wirklich reizvollen Perlen, jene Geheimtipps, die einen Berlin-Trip erst zu einer unvergesslichen und einzigartigen Reise machen, meist im Verborgenen.

Um Ihnen einen ersten groben Überblick zu verschaffen, möchte ich Ihnen hier die bekanntesten und beliebtesten Berliner Bezirke (man spricht in der Hauptstadt nie von Stadtteilen!) einmal im „Schnelldurchlauf“ vorstellen.

Berlin Mitte

Hier ist der Name Programm. Der Bezirk Mitte ist das touristische Epizentrum Berlins. Hier finden Sie nicht nur jede Menge Bars, Restaurants und Shoppingmöglichkeiten, sondern auch klassische Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel den Fernsehturm, den Reichstag und die Museumsinsel.

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Friedrichshain-Kreuzberg

Die beiden Ortsteile Friedrichshain und Kreuzberg, die sich zu einem Bezirk zusammengeschlossen haben, stehen für das junge, moderne und auch alternative Berlin. Wenn Sie hier unterwegs sind, werden Sie tolle Vintage-Shops, Kunstgalerien und Ausgehmöglichkeiten entdecken können. Nach einem abwechslungsreichen Bummel auf der Bergmannstraße können Sie sich im Volkspark Friedrichshain ausruhen.

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Pankow

Viele Berliner entscheiden sich bewusst für einen Wohnsitz in Pankow, weil dieser Bezirk als entspannt und dennoch vielfältig gilt. Das Herz von Pankow ist der Prenzlauer Berg. Hier trifft sich Berlins kreative Szene – natürlich auf einen Iced Coffee oder eine Club Mate.

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Tempelhof-Schöneberg

Dass Berlin eine Stadt der spannenden Kontraste ist, wird in Tempelhof-Schöneberg besonders deutlich. Hier können Sie nicht nur das Tempelhofer Feld, Berlins ehemaligen Flughafen, sondern beispielsweise auch die Trabrennbahn Mariendorf und kleine Geschäfte besuchen.

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Charlottenburg-Wilmersdorf

Die sogenannte City West verkörpert Berlins mondäne (und auch kapitalistische) Seite. Hier trifft Hochkultur auf „Deutschlands erste Concept Mall“, Kunstmuseum auf Jazzclub. Ein Ort wie der Teufelsberg, über denen ich Ihnen weiter unten im Text noch mehr erzählen möchte, stellt in Charlottenburg-Wilmersdorf eher die Ausnahme dar.

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Spannende neue Wege gehen – 3 Geheimtipps für Berlin

Ich war wie die meisten Deutschen bereits mehrere Male in Berlin und kann Ihnen an dieser Stelle versichern, dass das Brandenburger Tor auch nach dem vierten Besuch noch immer genauso aussieht wie beim ersten. Natürlich kann gesagt werden, dass dieses Wahrzeichen einfach dazu gehört, wenn man die Stadt besichtigt – doch glücklicherweise gibt es in Berlin auch jede Menge andere Orte, die Ihrem nächsten Wochenendtrip garantiert neue Würze verleihen werden. Gerne stelle ich Ihnen nachfolgend meine Favoriten aus der Kategorie „Geheimtipps für Berlin“ vor.


Der Raum der Stille

Berlin gehört zweifelsfrei zu jenen Städten, die nie schlafen. Hier ist permanent etwas los, hier ist es permanent laut und hier ist permanent alles in Bewegung. Kein Wunder also, dass sich die Menschen – egal ob Einwohner, Zugezogene oder Besucher – hin und wieder nach etwas Ruhe und Entspannung sehnen.
Ein Ort, an dem das problemlos möglich ist, befindet sich überraschenderweise direkt am Brandenburger Tor. Der Raum der Stille im nördlichen Torhaus ist eines dieser Berliner Kleinode, die sich den neugierigen Blicken der Touristen meist erfolgreich entziehen. Ein Besuch lohnt sich trotzdem – oder gerade deswegen. Denn vor allem dann, wenn der Trubel der Großstadt droht, Ihnen zu viel zu werden, ist ein kurzer Zwischenstopp im Raum der Stille Balsam für die Seele.

Die Hackeschen Höfe und das Haus Schwarzenberg

Wenn Sie planen, bei Ihrem nächsten Berlin-Besuch die Hackeschen Höfe zu besichtigen, dann ist das eine überaus gute Idee. Die acht Hinterhöfe am Hackeschen Markt begeistern nämlich nicht nur mit ihren wunderschönen Fassaden, sondern auch mit einem breiten Shopping- und Kulturangebot. Und so kommt es, dass Sie hier nicht nur ein ganz hinreißendes Spielwarengeschäft und das Kino Central finden werden, sondern auch das Haus Schwarzenberg mit seiner vorgelagerten Gasse, die bis obenhin mit interessanter Streetart „bestückt“ ist.

Das Haus Schwarzenberg versteht sich selbst als bewussten Gegenentwurf zu Starbucks, Edelboutiquen und Co. und darf darum mit gutem Gewissen als alternativ bezeichnet werden. Und auch wenn die Gasse auf den ersten Blick ein bisschen verwegen wirkt, lohnt es sich über alle Maße, sie zu betreten und die interessanten Kunstwerke an den Wänden zu begutachten.

Der Teufelsberg

Wie die meisten Erhebungen in Berlin ist auch der Teufelsberg im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aus den Schuttresten des zweiten Weltkrieges entstanden. Das Spannende an ihm: Bis zum Ende des Kalten Krieges diente er sowohl den Briten als auch den US-Amerikanern als Spionage-Stützpunkt und wurde dafür mit allerlei Antennen und Abhör-Technik ausgestattet.

Heute ist davon natürlich nichts mehr übrig. Zurückgeblieben ist jedoch ein verlassener Ort (neudeutsch auch Lost Place genannt), der durchaus das Potential hat, zum Highlight Ihres nächsten Berlin-Besuchs zu werden. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn vom 120 Meter hohen Teufelsberg aus haben Sie einen grandiosen Ausblick über die Stadt. Doch als wäre das noch nicht genug, können Sie hier auch den ehemaligen Spionagestützpunkt der Alliierten besichtigen und „ganz nebenbei“ Europas größte Graffiti-Galerie bestaunen. Weitere Informationen zur spannenden Geschichte des Teufelsberges und zu den offiziellen Führungen auf dem Areal finden Sie hier.

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Berlin bei Regen: So fällt Ihr Wochenendtrip garantiert nicht ins Wasser

Wer kennt es nicht? Da freut man sich wochen-, manchmal sogar monatelang auf einen Städtetrip und dann droht das schlechte Wetter, alle Pläne zunichte zu machen.
Damit Ihr nächster Ausflug nach Berlin garantiert nicht ins Wasser fällt, folgen nun drei Empfehlungen von mir, die auch an Regentagen tolle Erinnerungen schaffen.


Berliner Unterwelten

Der Verein Berliner Unterwelten macht es sich seit 1997 zur Aufgabe, unterirdische Gebäude in Berlin nicht nur zu erforschen, sondern diese auch – soweit möglich – der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf den verschiedenen Touren, die beispielsweise in diverse Bunker führen, kommt schnell reichlich Abenteuerstimmung auf, die jedoch immer auch mit viel Ehrfurcht verbunden ist. Immerhin befassen sie sich mit einem schwierigen Kapitel der deutschen Geschichte.

Der Treptower Hallentrödelmarkt

Berlin ist die Stadt der Flohmärkte und Vintage-Shops und so ist es fast schon ein Muss, sich am Samstag oder Sonntag auf die Jagd nach tollen Schnäppchen zu begeben. Wenn der wolkenverhangene Himmel Regen ankündigt oder es schlichtweg zu kalt für die Flohmärkte im Mauerpark oder am Boxhagener Platz ist, zieht es Berliner und Besucher gleichermaßen zum Treptower Hallenflohmarkt. Hier finden Sie nahezu alles, was Ihr Second Hand-Herz begehrt – Möbel, Kleidung, Lampen, Nähmaschinen und selbstverständlich auch jede Menge Nippes. Viel Spaß beim Stöbern!

Die Museumsinsel

Die Museumsinsel ist ein wirklich beeindruckender Ort, der auch an ungemütlichen Tagen besucht werden kann. Eingerahmt von der Spree beherbergt die Museumsinsel fünf Museen, die sich mit deutscher, ägyptischer und byzantinischer Kunst befassen. Das wohl berühmteste Exponat, das Sie hier bestaunen können, die die Büste der Nofretete, die scherzhaft auch gern als die schönste Berlinerin bezeichnet wird. Ein anderes spektakuläres Ausstellungsstück, der Pergamonaltar, wird wegen Renovierungsarbeiten voraussichtlich noch bis 2023 für Besucher unzugänglich sein.

Die fünf Museen der Museumsinsel:

  • Pergamonmusem
  • Bode-Museum
  • Neues Museum
  • Altes Museum
  • Alte Nationalgalerie

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Kulinarische Highlights und Besonderheiten in Berlin

Es ist schlichtweg unmöglich, in Worte zu fassen, was Berlin seinen Einwohnern und Gästen alles an kulinarischen Highlights zu bieten hat. Das Angebot ist einfach so gigantisch, dass es wohl nie jemand schaffen wird, alle Restaurants, Bistros und Imbisse zu testen. Trotzdem will ich natürlich versuchen, Ihnen ein paar köstliche Anhaltspunkte für Ihre nächste Reise nach Berlin zu liefern.


Wer in der Hauptstadt ein Radler oder (wie in Hamburg üblich) Alsterwasser bestellt, der outet sich augenblicklich als Tourist. Einheimische ordern nämlich ein „Gespritztes“ - also eine Mischung aus Bier und Fassbrause. Letzteres beanspruchen die Berliner übrigens als ihre Erfindung.

Gleiches gilt für die Currywurst, die Sie in der Hauptstadt an nahezu jeder Ecke genießen können. Falls Sie auf der Suche nach dem „Wurst-Hotspot“ schlechthin sind, dann lege ich Ihnen das Curry36 ans Herz. Sicherlich längst kein Geheimtipp mehr, doch der Geschmack spricht definitiv für sich.

Eine kulinarische Bereicherung für Berlin, die noch verhältnismäßig jung ist, sind die vielen Streetfood-Märkte. Einer, der regelmäßig, nämlich jeden Donnerstag, stattfindet, ist der in der Markthalle 9. Doch auch an vielen anderen Orten Berlins werden Sie vor allem im Frühling und Sommer über die leckeren Streetfood-Märkte stolpern.

Die, die es eher klassisch und „gutbürgerlich“ mögen, kommen zum Beispiel bei der „Dicken Wirtin“ buchstäblich auf ihre Kosten. Hier wird noch original Alt-Berliner Küche aufgetischt.

Doch weil Berlin eben nicht nur gutbürgerlich, sondern vor allen Dingen multikulturell geprägt ist, möchte ich Ihnen als letzten Tipp noch den Thaipark ans Herz legen. Was einmal als gemütliches Picknick begonnen hat, hat sich mittlerweile zu Deutschlands größtem Asia-Food-Markt entwickelt. Wenn die Garküchen im Preußenpark von Freitag bis Sonntag angeheizt werden, hat man mit ein bisschen Phantasie fast das Gefühl, durch die Straßen Bangkoks zu schlendern. Und ja – das bedeutet, das Sie hier auch Insekten wie zum Beispiel Heuschrecken und Kakerlaken probieren können.

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Berlin und seine Geschichte

Berlin ist eine wahnsinnig facettenreiche und spannende Stadt – auch aus historischer Sicht. Mit dem Teufelsberg und den Führungen vom Berliner Unterwelten e.V. habe ich Ihnen bereits zwei Möglichkeiten vorstellt, um die Stadt auf geschichtlichen Pfaden zu erkunden. Doch natürlich gibt es noch unzählige andere, die an dieser Stelle gar nicht alle aufgezählt werden können. Um Ihnen dennoch zu beweisen, dass Berliner Geschichte keinesfalls langweilig und altbacken daher kommt, möchte ich Ihnen gern meine drei historischen Favoriten vorstellen.

Das Tempelhofer Feld

Wenn Ihnen die Enge der Großstadt zu viel wird und Sie dennoch Geschichte zum Anfassen erleben wollen, dann empfehle ich Ihnen das Tempelhofer Feld – das weitläufige Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

Da, wo bis 2008 noch regelmäßig Flugzeuge starteten und landeten (übrigens auch die, die Westberlin mit Lebensmitteln versorgten und historische Legenden wie John F. Kennedy in die Stadt brachten), können Sie heute spazieren, Inlineskates fahren und den Streetkitern bei ihrem spektakulären Sport zusehen.

Checkpoint Charlie

Bei meinem ersten Besuch am Checkpoint Charlie war ich noch ein Kind, das mit seinen Eltern, ehemaligen DDR-Bürgern, zum ersten Mal in Berlin war. Doch schon damals hat mich dieser geschichtsträchtige Ort fasziniert und nachhaltig beschäftigt.

Der Checkpoint Charlie – das ist heute nicht nur eine Nachbildung des berühmtesten Berliner Grenzübergangs, sondern auch ein Museum, das sich mit eben genau diesem Teil der deutschen Geschichte befasst. Doch keine Angst, die Republikfluchten werden nicht nur auf Schautafeln und mit alten Fotos veranschaulicht, sondern teilweise regelrecht zum Leben erweckt. Auf diese Weise erhalten Sie spannende Einblicke in ein paar der spektakulärsten Fluchten – beispielsweise durch einen Tunnel, in einem Koffer oder per Heißluftballon.

Die East Side Gallery

Ist man heutzutage auf der Suche nach Resten der Berliner Mauer, muss man sich mitunter ziemlich anstrengen. Tatsächlich sind nur noch wenige Fragmente erhalten. Das längste finden Sie in der Mühlenstraße zwischen Ostbahnhof und Oberbaumstraße. Doch die Mauer, die hier auch heute, rund 30 Jahre nach ihrem Fall, noch immer hautnah erlebt werden kann, ist mehr als nur ein Denkmal der deutschen Geschichte – sie ist eine riesige Freiluft-Galerie mit mehr als 100 Kunstwerken.

Die East Side Gallery hat sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Berliner Attraktionen entwickelt und lockt unzählige Besucher aus dem In- und Ausland an. Kein Wunder, denn dieser besondere Mix aus Geschichte und Kunst ist schlichtweg einmalig auf der Welt.

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Berlin auf neuen Wegen erleben

Unsere Hauptstadt ist immer wieder einen Besuch wert – erst recht, wenn Sie wissen, wo sich die wahren Insider- und Geheimtipps rund um Berlin verstecken. Ich hoffe, dass Ihnen mein Bericht ein paar interessante Anregungen mit auf den Weg geben konnte und Sie nun für den nächsten Trip inspiriert sind.

Ich wünsche Ihnen eine gute Reise nach Berlin!

Ein Reisebericht von Jessika Fichtel